Durch einen Zeitungsartikel wurden wir Anfang 2009 auf die 72-Stunden-Aktion aufmerksam. Hörte sich sehr interessant an, doch welches Projekt konnte mit der Kolpingjugendgruppe in Angriff genommen werden? Viele Tage vergingen bis dann eine erste Idee zündete:
Vor Weihnachten 2008 hatten wir unser „Natzungen-Spiel“, ein Gesellschaftsspiel, auf den Markt gebracht. Auf dem Spielplan, der die Straßen von Natzungen zeigt, hatten wir den alten Prozessionsweg, einen Weg durch Wiesen und Felder zwischen Deichstraße und Frohnhauser Straße nördlich von Natzungen, nur als kleinen grauen Strich angedeutet. Bei einer Gruppenstunde bestätigten die Jugendlichen, dass sie beim Versuch, diesen Weg zu begehen, vor lauter Gestrüpp, Brennnesseln und Müll nicht sehr weit gekommen waren. Das sollte sich ändern. Nach Gesprächen mit vielen Natzungern, die ihre Unterstützung mit Geräten, Material, Arbeitskraft, Kuchen-, Brötchen-, Würstchen-, Getränke- und Geldspenden gern zusagten, und öffentlichen Stellen, die uns die Durchführung genehmigten, wurde die Anmeldung abgeschickt.
Auch die Anwohner des Weges und Besitzer der angrenzenden Wiesen und Felder wurden über das Vorhaben informiert. Einige ältere Natzunger erinnerten sich an den Weg: Als Messdiener waren einige vor etwa 50 Jahren das letzte Mal mit der Prozession diesen Weg gegangen oder hatten das ehemalige Kreuz am Weg nahe der Frohnhauser Straße geschmückt. Auch zum Treiben des Viehs auf die Weiden wurde damals der Weg „Über den Euwer“ täglich genutzt. Und bei „ regem Verkehr“ landete so manche Kuh im falschen Stall und musste später wieder nach Hause geholt werden.
Am Mittwoch, dem 6. Mai 2009, dem Tag vor Beginn der Aktion, regnete es in Strömen. Sollte das Wochenende in einer Schlammschlacht enden? - Nein. Zum Glück nicht, denn an nächsten Morgen ließ der Regen nach und am Donnerstag, dem 7. Mai 2009, konnte pünktlich um 17.07 Uhr der Startschuss zur Aktion fallen. Nachdem das Mannschaftszelt, das uns die DLRG Natzungen für dieses Wochenende zur Verfügung gestellt hatte, aufgebaut war, standen wir nun im wahrsten Sinne des Wortes am Anfang des Weges an der Deichstraße, um die Arbeiten abzusprechen.
Danach wurden überhängende Äste und Gestrüpp geschnitten und auf einen bereitgestellten Anhänger getragen, Müll aus dem Weg entfernt und die Böschung gemäht. Der Baggerfahrer konnte den Weg ein erstes Mal abschieben. Weil es sinnvoll gewesen wäre, den Weg mit einem Mulcher zu bearbeiten, wurden kurzfristig nacheinander zwei Landwirte mobilisiert, die spontan mit ihren Geräten anrückten, um zu helfen. Doch der Weg war dafür leider zu schmal.
Um etwa 21.00 Uhr wurden die Arbeiten beendet.
Am Freitag, dem 8. Mai 2009, wollten wir uns ab 15.00 Uhr an „unserer Baustelle“ treffen, damit die Schüler zur Schule gehen konnten. Als wir dort ankamen, staunten wir nicht schlecht, denn wir wurden schon erwartet. Ansgar Wiemers, unser Diözesanpräses, und Dominik Kräling, aus dem Vorstand der Kolpingjugend der Diözese, erwarteten uns zusammen mit Johannes schon vor dem Zelt. Nun war erst einmal Spiel und Spaß angesagt. Eine Mohrenkopfwurfmaschine brachte so manches und so manchen ins Schleudern. Und die „Kolpingjugend-Tatoos“ auf unseren Armen waren ein echter Hingucker und später reif für ein Zeitungsfoto.
In der Zwischenzeit kamen drei LKW-Züge mit Schotter (ca. 60 t), von der Firma Erdbau Hake gespendeten, der am Rand der Deichstraße zur weiteren Verwendung abgekippt wurde.
Dann versammelten sich alle am „Basteltisch“, um die vorbereiteten Teile für die Vogelnisthilfen zusammenzubauen. Außerdem wurden die Schilder gegen die Benutzung des Weges als Hundeklo farbig gestaltet.
Nachdem auch unsere Baggerfahrer von der Arbeit gekommen waren, legten sie sofort los, den Weg auszubaggern, zu begradigen und den Schotter einzubringen. Die Jugendlichen „bewaffneten“ sich mit Schippen und Harken, um den Schotter gerade zu ziehen. Auch die Randstreifen und Böschungen wurden weiter gemäht.
Als es um 21.30 Uhr anfing zu regnen, gingen wir nach Hause.
Am Samstag, dem 9. Mai 2009, wurden ab 9.00 Uhr die Arbeiten fortgesetzt. Die Wegränder wurden gefräst, der Weg gewalzt und Grassamen eingesät. Zu den Nisthilfen wurden nun noch aufklappbare Hinweistafeln zur heimischen Vogelwelt, zu Insekten und Fledermäusen gebaut.
Von 10.30 bis 11.00 Uhr besuchte uns der Aktionsbus mit Vertretern der kirchlichen Jugendverbände und der Politik. Wir konnten über unser Projekt informieren und viel Lob und Anerkennung ernten. Am Mittag stärkten wir uns mit „Hot Dogs“, bevor wir um 13.00 Uhr zur Schmiede aufbrachen, um gemeinsam ein Kreuz aus Eisen anzufertigen. Hinterlegt wurde das Kreuz mit einer Acrylglasplatte, die zuvor mit den Fingern bemalt wurde. Der Text aus dem Johannesevangelium „ Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ wurde dabei mit Farbe ausgespart. Als Nebenprodukt dieser Malaktion wurde aus Heikes weißem T-Shirt durch Fingerabputzen der Maler ein echtes Designerstück. Auch eine Jahreszahl für den Kreuzsockel wurde geschmiedet. Zur gleichen Zeit wurde der gespendete Granitsockel für das Kreuz, das an derselben Stelle in der Nähe der Frohnhauser Straße stehen sollte wie das alte, aufgestellt und daneben eine Fläche als Platz für eine Bank mit Waschbetonplatten gepflastert. Am anderen Ende des alten Prozessionswegs an der Deichstraße wurde unterdessen das Holz für die Bank vorbereitet und gestrichen. Nisthilfen und Hinweistafeln wurden aufgestellt. Damit war am Abend die gröbste Arbeit erledigt.
Am Sonntag, dem 10. Mai 2009, mussten somit nur noch einige Feinarbeiten erledigt werden. Um 11.00 Uhr trafen sich einige Helfer in der Schmiede, um das Kreuz zusammenzubauen und anschließend auf dem Steinsockel festzuschrauben. Auch wurde die Jahreszahl am Sockel befestigt. Nach getaner Arbeit war es nun Zeit, das Kreuz bis zur Einweihung zu verhüllen.
Wieder am Zelt angekommen, wurde der Grill aufgebaut, um uns beim gemütlichen Beisammensein mit Würstchen zu stärken. Nachmittags wurde noch die Bank zusammengebaut und die „Fußweg- und Hundeschilder“ aufgestellt. Am Eingang des Weges an der Deichstraße wurde ein Band gespannt an dem ein Schlüssel befestigt wurde. Dieser mit Patina überzogene alte Schlüssel war von großem symbolischem Wert für unsere Gruppe, da er am Tag zuvor von Marco auf dem Feldweg, wo unser Zelt aufgeschlagen war, gefunden wurde. Für die Abschlussandacht um 17.00 Uhr mussten noch Texte ausgesucht und unter den Jugendlichen verteilt werden. Wie er am Freitag bei seinem Besuch schon angedeutet hatte, kam unser Diözesanpräses Ansgar Wiemers zu unserer Andacht. Der erste Teil der Andacht begann an der Stelle, an der wir am Donnerstag mit den Arbeiten begonnen hatten. Nachdem der Diözesanpräses das Band durchschnitten und damit den Weg für die Gemeinde freigegeben hatte, folgten alle der Abordnung mit den Kolpingbannern den Weg entlang bis zum neuen Kreuz am Ende des Weges, um es zu enthüllen und feierlich einzuweihen.
Nach dem Zeltabbau und Aufräumarbeiten ging dieses Wochenende zu Ende. Als Resümee kann man dazu nur sagen: Wenn Gemeinschaftssinn, Spaß und christliches Miteinander sich vereinigen, wird die Arbeit für ein gemeinsames Ziel ein Kinderspiel. Insgesamt hatten sich 22 Jugendliche und ebenso viele Erwachsene direkt an der Aktion beteiligt. Viele weitere hatten sie durch ihre Verpflegungs- und Geldspenden unterstützt. Ich denke, dass diese Aktion für alle Beteiligten in jeglicher Hinsicht ein toller Erfolg und Gewinn ist und noch lange nachwirkt.
Übrigens: Laut einer Anwohnerin wird der Weg rege genutzt. Auch die Sitzbank hat schon einige Natzunger zum Plausch eingeladen. Der Grassamen geht langsam auf und wächst zu einem Schotterrasen. Als nächste Aufgabe bleibt die Pflege des Weges. Außerdem kam die Frage auf: Was machen wir im nächsten Jahr? Und: Während der 72-Stunden-Aktion wurde ganz nebenbei ein Entwurf für ein gemeinsames Kolpingjugend T-Shirt ausgearbeitet. Wie man sieht: Die Aktion zieht auch weiterhin noch Kreise.





